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Alex On The Run oder: Du kannst der Liebe nicht entkommen

Kapitel 01: Am Anfang

Ein wenig verloren schaute sie sich in der Wohnung um. Wie lange lebte sie jetzt schon hier? Einen Monat? Es sah hier noch genauso aus wie am ersten Tag.
Alex warf die Schlüssel in die eine und die Tasche in die andere Ecke. Auf dem Weg zur heißgeliebten Couch schaltete sie ihre Anlage an und ließ sich erschöpft auf das weiche Mobiliar fallen. Passend zu ihrer Stimmung erklangen aus den Lautsprechern die ersten Töne von Stereophonics’ Have A Nice Day. Alex atmete tief durch. Hätte ihr jemand vor drei Monaten gesagt, dass sie jetzt und hier in ihrer eigenen Wohnung sitzen würde, hätte sie diesen jemand wohl zum Teufel gejagt. Das hier war ganz und gar nicht geplant. Und nach den ganzen Rückschlägen die sie dieses Jahr schon erleiden musste, konnte sie zumindest in diesem Augenblick sagen, dass sie glücklich war.

Sie war froh diesen Schritt gewagt zu haben und sich einen neuen Arbeitsplatz so weit wie nur möglich von zu Hause entfernt zu suchen. Zu Hause, wo sie an so vieles erinnert wurde, was nun der Vergangenheit angehörte. Es hatte nichts mit ihren Eltern zu tun. Sie liebten sie sehr und unterstützten sie wo sie nur konnten. Doch Alex zog es ins Unbekannte. Nicht unbedingt nach Bayern, doch das Schicksal wollte es so. Sie wollte jetzt vor allem nur noch eines: Von vorne beginnen und sich ein neues, unabhängiges Leben aufbauen. Unabhängig von den Eltern und weit weg von sogenannten „Freunden“, die einem ständig sagten, wie man was machen musste und was man denken sollte. Freunde, auf die Alexandra viel zu lange gehört hatte.

Das alles lag nun hinter ihr. Endlich. Und sie würde nicht so dumm sein, all die begangenen Fehler ein zweites Mal zu begehen. Das schönste an ihrer Unabhängigkeit war jedoch, dass sie ihren Leidenschaften nachgehen konnte ohne sich vor irgendjemanden rechtfertigen zu müssen.
Wenn sie sich lieber ein Fußballspiel ansehen wollte, dann tat sie das nun auch, verdammt noch mal. Viel zu oft hatte sie nachgegeben und manch tolles Spiel verpasst. Fußball war nun mal ein Teil ihres Lebens seit sie 12 Jahre alt war. Das war vor zehn Jahren als die deutsche Nationalmannschaft Europameister wurde. Das es mit der Weltmeisterschaft in diesem Jahr nicht geklappt hatte war nicht weiter schlimm, denn zum ersten Mal hatte das deutsche Team „richtigen“ Fußball gespielt. Kein planloses herumgekicke, sondern sauber Pässe und tolle Kombinationen.

Doch heute Abend war weder ein Spiel, noch zog es sie an den PC, ihrer zweiten Leidenschaft. Nein, heute wurde gefeiert. Tina meinte, in München würde die genialste Party seit Jahren steigen. Und wenn sie das sagte, musste es wohl stimmen. Mit Tina ging sie gerne aus. Sie war ihre Kollegin und etwa genauso alt wie Alex. Schon im ersten Augenblick waren sich beide sicher, dass hier eine Freundschaft entstand. Es stellte sich bald heraus, dass sie auf einer Wellenlänge waren: die gleichen Interessen, den gleichen Geschmack, die gleiche Vorstellung von einem schönen Leben. Beide gingen gerne ins Café, um dort einen Eistee zu trinken und über Gott und die Welt zu diskutieren. Allein wegen Tina hatte sich der Umzug vom Norden in den Süden gelohnt.

„Alex“, eröffnete Tina ihrer Freundin gestern, „Halt dich fest! Morgen Abend gehen wir zu einer Party, die sich auch Party nennen darf! Glaub mir, die wird dir gefallen.“ Mehr wollte Tina ihr nicht verraten und Alex bohrte auch nicht weiter nach. Sie würde sich einfach mal überraschen lassen. Lediglich dass diese Party in München stattfinden sollte wurde verraten.

Das Telefon klingelte. „Ja?“
„Alex?“
„Wer sonst?“
„Schon klar. Hör mal, ich hab’ vergessen dir mitzuteilen, wann es losgeht. Ich hol’ dich gegen halb sieben ab, ok?“
„Hmm.“
„Na, begeistert klingst du aber nicht. Egal. Heute Abend wirst du mir die Füße dafür küssen, dass ich dich mitgenommen habe.“ Tina kicherte und riet Alex dann noch, sich das heißeste Outfit überzuwerfen, das sie besaß.
„Was ist das denn für eine Party?“ Alex wurde nun doch noch neugierig. Nach allem wie sich Tina verhielt, müsste darüber am nächsten Tag in der BILD-Zeitung ein Seitenlanger Bericht stehen.
„Lass dich überraschen…“ sang Tina und verabschiedete sich.

Alex seufzte und blickte in ihren Kleiderschrank. Kein großer Anblick. Sie entschied sich ohne lange nachzudenken für eine ausgeblichene 7/8 Jeans und einem dunkelblauen, mit weißen Blumen bedruckten Neckholder Top. Verdammt, sie musste unbedingt mal wieder shoppen gehen.
Sie legte sich die Sachen aufs Bett und ging erst mal duschen. Bis halb sieben war noch viel Zeit, sie konnte sich also in aller Ruhe „chic“ machen.

Gegen halb sieben klingelte es dann schließlich und auf ging’s zur Party… wo immer diese auch war. Alex hatte sich vorgenommen, auf jeden Fall Spaß zu haben, eine Menge zu tanzen und ganz wichtig: Sich nicht nach den Männern umzuschauen. Die brachten ihr eh nur Unglück.

Kapitel 02