Alex On The Run oder: Du kannst der Liebe nicht entkommen
Kapitel 03: Aus der Ferne...
Nein, eigentlich hatte Alex gar keine Lust, Michael Ballack gegenüber zu treten. Es war eine Sache, von einem Star zu schwärmen, den man nur im Fernsehen oder in der Zeitung bewundern konnte, aber eine ganz andere wenn so einer zehn Schritte von einem entfernt stand. Nicht dass sie jemals für ihn geschwärmt hätte. Es war eher die Sache, dass Alex ihn schon mehrere Jahre lang registriert hatte und sie nun völlig perplex war, dass sein Anblick sie so umgehauen hatte.
Aber vielleicht war das ja auch nur der erste Schock? Wenn sie sich jetzt umdrehen würde, ihn noch mal sehen würde, dann wäre vielleicht alles schon wieder weg.
„Also was ist nun? Gehen wir?“ brüllte Tina ihr ungeduldig ins Ohr. Die Musik war einfach zu laut. Alex drehte sich nach ihr um, sah an Tina vorbei als sie Michael entdeckte und meinte nur, sie könne alleine gehen.
Verdammt. Anscheinend hatte ihr Herz vor einen Marathon zu gewinnen. Er stand immer noch genau dort, wo sie ihn zuerst gesehen hatte. Und er sah immer noch genauso gut aus. Das machte es nicht einfacher.
Alex tanzte in eine andere Richtung und ließ eine etwas verblüffte Tina allein. Diese schüttelte nur den Kopf und lief ihr nach.
„Kannst du mir verraten was das soll?“
„Nein. Kann ich nicht. Ich weiß es selbst nicht.“
„Na toll.“ Tina wirkte beleidigt. „Dann sei wenigstens so lieb und warte hier auf mich. Ich bin gleich wieder da.“ Damit war sie verschwunden – und wunderte sich weiterhin über Alex. Eigentlich gab es nur zwei Alternativen für ihr Verhalten: Entweder hasste sie Ballack abgrundtief oder das genaue Gegenteil war der Fall. Aber das würde sie schon noch herausfinden. So weit wie möglich tanzte sich Alex von Michael weg und versuchte für sich abzuklären, warum sie sich so bescheuert benahm. Gut, das Problem auf Männer zuzugehen hatte sie schon immer. Aber so heftig wie heute…? Kaum zu glauben, dachte Alex. Da tanzen ein Philipp Lahm und ein Bastian Schweinsteiger ganz in der Nähe und sie dachte nur an Michael Ballack.
Wahrscheinlich war es die Geschichte, die Verena vorhin erzählt hatte. Dass Michaels Lebensgefährtin ihn verlassen würde. Lag es daran? Waren Männer mit gebrochenem Herzen unwiederstehlich? Eine Frage, über die es sich mal lohnte nachzudenken. Aber nicht jetzt, ermahnte sich Alex. Sie wollte heute Abend Spaß haben und viel tanzen. Und sich nicht nach Männern umsehen.
Mit neuem Mut und einigermaßen ruhigem Herzen drehte sie sich wieder um und tanzte quer über die Tanzfläche. Sie würde jetzt nicht zu ihm schauen, sagte sie sich immer wieder und dennoch musste sie einfach wissen, ob er noch dort stand. Ob er noch immer so gut aussah wie vor fünf Minuten.
Sie konnte ihre Fragen mit „ja“ beantworten und den letzten der guten Vorsätze streichen. Tina stand dort und schien mit ihm in ein Gespräch vertieft zu sein. Verena und Olli Kahn gleich daneben. Dann verabschiedete sie sich und ging wieder runter zu Alex auf die Tanzfläche. Michael schien ihr nachzusehen, denn als Tina plötzlich wieder neben ihrer Freundin stand, begegneten sich ihrer beiden Augen quer durch den Raum. Und Alex wäre am liebsten im Erdboden versunken. Sie wollte einfach nicht als so eine Tusse abgestempelt werden, die Stars angaffte, denn so kam sie sich gerade vor: Wie eine Gafferin. Wie eine Gafferin auf frischer Tat ertappt. Und obwohl ihr all diese Gedanken durch den Kopf gingen, konnte sie ihre Augen nicht von ihm abwenden. Selbst ein Bernd Schneider, der halsbrecherisch an ihr vorbeitanzte, konnte sie nicht ablenken.
„Ehm… Alex?“ Tina tippte ihrer Freundin auf die Schulter und holte sie gewissermaßen „zurück“
„Oh, entschuldige. Ich war in Gedanken“, murmelte sie, was von der Musik verschluckt wurde.
„Tut mir leid“, sagte sie deshalb noch etwas lauter. „Wie geht’s ihm denn?“ sprudelte es aus Alex hervor und sie schlug sich verlegen auf den Mund. So viel Interesse wollte sie gar nicht zeigen. Tina registrierte sofort, dass da was im Busch war und ein Grinsen huschte über ihr Gesicht.
„Frag ihn doch selbst. Ich bin mir sicher, er würde dich auch gerne mal kennenlernen“, riet Tina und meinte das vollkommen ernst. Michael hatte sie nämlich vorhin gefragt, mit wem sie hier war. Er habe sie beide schon auf der Tanzfläche gesehen.
„Ach quatsch nicht! Was soll ich denn mit ihm reden?“
„Was fragst du mich? Bin ich hier die Fußballexpertin oder du?“, meinte Tina und grinste wieder.
„Ich kann doch nicht einfach zu ihm hingehen und mit ihm über Fußball quatschen!“
„Aber du würdest gerne“, stellte Tina fest und ihr Grinsen wurde breiter.
„Ach hör auf.“ Alex wusste nichts mehr anderes zu sagen.
Sie tanzten noch eine Weile und machten dann schließlich wieder eine Pause. Alex warf noch einen letzten Blick Richtung Michael, den sie während des Tanzens erfolgreich ignorieren konnte. Doch er war nicht mehr da. Und das bereitete ihr Sorgen. Denn wenn sie nicht wusste, wo er war, konnte sie ihm auch nicht aus dem Weg gehen.
Aber verdammt, warum war es ihr so wichtig, ihm aus dem Weg zu gehen? Alex verstand sich selbst nicht mehr. Es war, als würde sie sich selbst von ihrem Glück abhalten. Was wäre denn so schlimm daran, ihn einfach mal kennenzulernen? Sie musste ihm ja nicht gleich einen Heiratsantrag machen.