Alex On The Run oder: Du kannst der Liebe nicht entkommen
Kapitel 05: Empörung ... oder Eifersucht?
„Sag mal ist es so heiß hier oder kommt mir das nur so vor?“ fragte Alex und fächerte sich mit der Getränkekarte Luft zu. Sie bestellte sich ein Wasser und setzte sich auf den Barhocker.
Tina stand neben ihr, erschöpft aber glücklich. „Ach weiß nicht. Nach dem Tanzen kann ich das immer so schlecht beurteilen. Aber gerade jetzt, würde ich sagen, die Luft brennt.“ Damit bestellte auch sie sich etwas zu Trinken und setzte sich.
Für Alex wurde es zunehmend heißer und so beschloss sie, die Örtlichkeiten aufzusuchen und sich frisch zu machen.
„Ich bin gleich wieder hier. Ich brauch ne Abkühlung.“ Es dauerte eine Weile, bis sie fand was sie suchte. Doch die folgende Erfrischung tat gut. Sie spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und befeuchtete Arme und Nacken. Alex verspürte Erleichterung und die Hitze aus ihrem Körper verschwand vorerst.
Sie blieb noch ein bisschen länger und lehnte sich an den kühlen Fliesen. Die Musik drang hier nur gedämpf herein, und so genoss sie für einen Moment die Ruhe.
Ohne es zu wollen, lauschte sie einem Gespräch zweier Mädels, die sich in den Kabinen lautstark unterhielten. „Boah, ich sag dir: Die flippen allesamt aus, wenn ich denen erzähle wo ich heute bin.“
„Vergiss es, das glauben dir die sowieso nicht.“
„Ah geh!“ Pause. „Hast du den Ballack gesehen?“
„Ja, von der Tanzfläche aus.“
„Ich schwör, der hat mich mit den Augen ausgezogen!“
„Glaub ich dir sofort. Du siehst heute aber auch verschärft aus. Viel Arbeit hätte der beim Ausziehen sicherlich nicht.“ Gleich darauf konnte Alex feststellen, warum. Die Kabinentür öffnete sich und heraus kam ein junges Mädchen im verboten kurze Minirock und knappen, engen Top. Die andere Tür öffnete sich ebenfalls und die Freundin kam heraus, folgte der anderen wie ein Hündchen seiner Herrin. Ungläubig musterte Alex die beiden und musste sich beherrschen, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.
„Vielleicht sollte ich ja was bei ihm versuchen.“
„Ach komm, er hat mich doch eben schon im Visier gehabt. Würde mich wundern, wenn wir uns heute Abend nicht noch begegnen, rein zufällig natürlich.“ Dabei kicherte der Minirock hysterisch und trug gleich darauf neuen Lippenstift auf.
„Und was ist mit seiner Alten?“
„Ach die. Die findet er sicherlich schon seit langem langweilig.“ Der Minirock hielt kurz die Klappe um die Lippen zusammenzupressen und anschließend Reste vom Lippenstift an den Zähnen mit der Zunge wegzuputzen. Die zwei waren so sehr in ihr Gespräch vertieft, dass sie Alex gar nicht wahrnahmen, die nur ein paar Schritte hinter ihnen an der Wand stand. „Man, findest du nicht auch, dass der Ballack heute einfach heiß aussieht?“ fragte der Minirock nun weiter und die Freundin nickte nur begeistert.
In dem Stil ging die Unterhaltung weiter, was Alex bald zuviel wurde. Irgendwo zwischen den Bemerkungen „Ich würde sofort mit ihm aufs Hotelzimmer gehen“ und „Sollte er heute noch auf die Tanzfläche kommen, werde ich ihn dort so anmachen, dass er nicht mehr weiß wie seine Kinder heißen“ stöhnte Alex empört auf, was die beiden Mädels erschreckt zusammenzucken ließ.
Mit grimmigem Gesicht sahen sie die andere an, die sich nun davon machte.
„Nur kein Neid!“ rief der Minirock ihr hinterher und widmete sich wieder ganz ihrer Strategie, Michael Ballack rumzukriegen. Alexandra stand nun vor den Toiletten und konnte nur den Kopf schütteln. Was bildeten sich diese Weibsen eigentlich ein?
Allein beim Gedanken, dass Michael eventuell an den Minirock geraten könnte, wurde ihr übel. Und es mischte sich noch ein anderes Gefühl hinzu: Eifersucht. Aber das versuchte sie zu ignorieren.
Alex konnte sich lebhaft vorstellen, was passieren würde, hätte der Minirock tatsächlich Erfolg. Als erstes würde sie der Bild-Zeitung vonihrem Techtelmechtel informieren und der Rest würde sich von alleine erledigen. Und in Nullkommanix wäre sein guter Ruf ruiniert. Doch was ging ihr das eigentlich an? Alex ertappte sich heute zum wiederholten Mal dabei, dass sie über Michael nachdachte. Und was das Schlimmste daran war: Ihr Herz begann dann wie auf Kommando schneller zu klopfen.
Anscheinend war der Marathon noch nicht beendet.