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Alex On The Run oder: Du kannst der Liebe nicht entkommen

Kapitel 06: Fußballphilosophen

Alex stand immer noch vor den Örtlichkeiten und wusste nicht was sie von ihren Gefühlen halten sollte, die sie gleichzeitig in verschiedene Richtungen zu ziehen schienen.
Letzten Endes war es doch eh egal, dachte Alex. Auch wenn wir im gleichen Raum sind, wird er für mich unerreichbar sein, glaubte sie. Dass auch Michael Ballack ein ganz normaler Mann war, darüber wollte sie erst gar nicht nachdenken. Es hätte sie nur noch kribbeliger gemacht. Außerdem stieg schon wieder Hitze in ihr auf.

Bevor Alexandra jedoch zu Tina zurückkehrte, die sicherlich schon eine Vermisstenanzeige aufgab, machte sie noch eine kleine Runde durch den Club.
Es gab so viele verschiedene Bars, das sie schon bald nicht mehr wusste, an welcher Tina wartete. Und zu allem Übel kam auch noch dazu, dass da vorne die zwei Mädels von vorhin standen. Da Alex kein Verlangen auf eine erneute Begegnung verspürte, blieb sie abrupt stehen und drehte sich um, um schnell das Weite zu suchen.

Prompt prallte sie mit jemandem zusammen. Erschrocken geriet sie ins Taumeln. Doch zwei Hände an ihren Oberarmen bewahrten sie vor einem peinlichen Sturz.
„Oh ’Tschuldigung“ rief sie aus und wollte schon wieder weiter gehen, ohne geguckt zu haben, mit wem sie da zusammengestoßen war.
„Warte“, rief der andere und schnappte nach ihrem Handgelenk. Erst jetzt blickte Alex auf, sah nicht nur mehr das dunkle Hemd, gegen das sie geprallt war. Sondern das unwiderstehliche Lächeln des Mannes, an den sie vor fünf Sekunden noch gedacht hatte.
„Du bist Alexandra, richtig?“ fragte er nun und Alex musste verblüfft nicken. Ihre Augen wanderten ruhelos über sein Gesicht, registrierten jede Einzelheit.
„Dann hab’ ich dich ja gefunden.“
„Wie, gefunden?“ Alex war nun doch ein wenig verwirrt. Hatte er sie denn gesucht? Wenn ja, warum?
Und wie lange ging das schon so?

„Ich habe Tina getroffen, die meinte du wärst verschollen. Komm mit, ich bring dich zu ihr.“ Leistete der jetzt auch noch gemeinnützige Arbeit oder war Alex einfach nur im falschen Film? Entsetzt stellte Alex fest, dass Michael in Richtung Minirock weiterging und diesmal war sie es, die nach seinem Handgelenk schnappte.
Fragend und mit hochgezogenen Augenbrauen sah er sie an.
„Ehm… lass uns lieber die andere Richtung nehmen.“
„Aber hier ist viel kürzer. Da drüben ist die VIP Lounge; Verena hat Tina dorthin mitgenommen.“
„Glaub mir, es ist besser wenn wir andersrum gehen. Bitte.“
Alex wollte Michael auf gar keinen Fall in den Fängen des Minirocks sehen und war froh, als er nachgab und den längeren Weg wählte.

Gedankenverloren lief Alex ihm hinterher und musterte Michael von hinten. Breite, kräftige Schultern, schmale Hüften und ein knackig aussehender –
„Möchtest du was trinken?“ fragte Michael und drehte sich unverhofft nach ihr um. In Bruchteilen einer Sekunde schnellten ihre Augen nach oben, sahen in sein fragendes Gesicht.
„Was?“
„Ob du was trinken möchtest.“
„Oh, ehm… nein. Danke.“
So ging es dann weiter zu VIP Lounge, wo Tina erleichtert aufstöhnte als sie Alex entdeckte.

„Sag mal, wo hast du denn gesteckt?“
„Weißt du doch.“
„Aber so lange?“
„Ich hatte noch eine unliebsame Begegnung mit einem Minirock.“

Tina schaute ihre Freundin stirnrunzelnd an. „Du solltest dich mal untersuchen lassen. Ehrlich.“
Alex musste lachen. „Ich erklär’s dir später, ok?“ Dann sah sie sich um. „Das hier ist also das Heiligtum eines jeden Clubs: Die VIP Lounge. Sieht gemütlich aus.“
„Setz dich doch“ schlug Michael vor, der noch immer neben ihr stand und ihr nun eine Hand auf den halbnackten Rücken legte. Alex schaute ihn verwundert an, spürte die prickelnde Wärme, die diese Berührung in ihr auslöste. Und da war es wieder, dieses Herzklopfen. Aus Angst, dass Michael es spüren konnte, sah sie sich nach dem nächstbesten freien Platz um und fiel schließlich wie ein Stein neben Tina auf der Sitzgruppe nieder. Und im gleichen Moment wünschte sich Alex noch immer dort zu stehen, mit seiner Hand auf ihren Rücken.

Seltsam war es, dieses Gefühl, das sie heute ergriffen hatte. Es schien sie nicht verlassen zu wollen sondern fest im Griff zu haben.
Hatte sie sich nun doch noch in Michael Ballack verliebt?

Dieser zog sich nun einen Stuhl heran, nahm Platz und betrachtete die junge Frau vor sich. Er hatte vorhin dieses Verlangen gespürt ihren Rücken zu berühren, aber nicht gedacht, dass er das tatsächlich tun würde. Hoffentlich hatte er sie nicht verschreckt. Er wusste selbst nicht genau, was ihn dazu getrieben hatte.
„Tina hat erzählst, dass du eine Kollegin von ihr bist“, begann Michael und sah sie nun von der Seite an. Er spürte ihre Befangenheit und versuchte sie auf sicheres Terrain zu locken, indem er nach ihrer Arbeit fragte.

Alex wagte es kaum ihn anzusehen, darum nickte sie nur. Außerdem wurde ihre Aufmerksamkeit gerade von Bernd Schneider, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger in Beschlag genommen, die gerade die VIP Lounge betraten. Da legte sich eine Hand auf ihre Schulter und erschrocken drehte sie sich zu Michael um.
„Keine Angst. Wir sind auch nur Menschen.“ Er lächelte und zwinkerte ihr zu. Alex musste schlucken. Wahrscheinlich benahm sie sich gerade ziemlich dämlich.
„Du musst mich ja für völlig bescheuert halten.“
„Ach was.“
„Es ist nur so… das hier ist wie ein Sechser im Lotto. Hier läuft die halbe Nationalmannschaft herum und ich… ich fühl mich hier einfach fehl am Platze.“ Und die Tatsache dass sie hier mit dem Kapitän dieser Mannschaft plauderte tat das Übrige.
„Du bist hier genau richtig. Also, Tina du du seid Kollegen?“
„Ja. Oh Gott, was hat sie dir denn noch so erzählt?“
„Nur Gutes.“
„Das will ich hoffen. Sonst kann sie nächsten Monat meinen Küchendienst übernehemen.“ Alex musste unweigerlich lachen und fühlte sich schon viel besser. Einem vernünftigen Gespräch stand also nichts mehr im Wege.
„Und was machst du so, wenn du mal nicht gerade die Kinder hütest?“ Instinktiv kam ihm der Gedanke, dass er wieder einmal eine Frau kennenlernte, deren Welt von Kindern bestimmt war. Doch vielleicht war diese Welt anders? Alexandra und Tina arbeiteten als Erzieherinnen im Kindergarten.

„Ich weiß nicht. Da gibt es so vieles… und ich muss gestehen, dass Fußball einen großen Teil meiner freien Zeit beansprucht.“
„Spielst du selbst?“
„Um Himmels Willen, nein. Nur mit den Kids. Das richtige Fußballspielen überlasse ich lieber einem Profi wie dir. Ich schau mir das ganze dann im Fernsehen an.“
Michael musste grinsen. Profis wie ihm… wie das klang. Und er freute sich über die Begeisterung, die sie nun an den Tag legte.

Das Eis schien gebrochen, das bemerkte auch Tina, die sich zu ihrer Schwester und dem Schwager in spe gesellt hatte.
„Worüber reden die?“ fragte Verena.
„So wie ich Alex kenne, wohl über Fußball.“
„Na toll“, kam es von Olli Kahn, „Dann hat er ja endlich jemanden gefunden, mit dem er darüber philosophieren kann und belästigt mich nicht mehr damit.“ Damit streckte er sich, verschränkte seine Arme hinter seinem Kopf und lehnte sich entspannt zurück.