Galato? Fanfiction Musikvideos Galerie Websites For You Reset


Wenn Wünsche wahr werden

Kapitel 02: Wie wär's mit Tee?

Nico schreckte hoch. Sie hatte noch gar nicht lange gelegen, war aber sofort eingeschlafen. Demnach war sie jetzt völlig orientierungslos und stolperte in Richtung Haustür. Wenn es eines war, mit dem sie heute nicht gerechnet hatte, dann war es Besuch. Sie drückte den Knopf an der Gegensprechanlage und fragte, wer da war.
„Hey… Nico? Hier ist Clemens. Ich bin mit dem Auto liegengeblieben. Lässt du mich rein?“

Oh. Clemens. Von allen auf der Welt existierenden Männern – warum musste ausgerechnet er vor ihrer Tür stehen?

„Hallo? Nico?“
„Ja, moment. Ich mach dir auf.“ Sie drückte einen weiteren Knopf und die Tür unten des Wohnhauses ging auf. Kurz sah Nico an sich herunter. Nicht gerade sexy, ihre Schlabberhose. Genausowenig wie der Pullover und der Schal. Sie schaffte es noch gerade so, aus dem Bad ein Zopfband zu holen um ihre verwuschelte Mähne zu bändigen und sich wenigstens so einen Hauch von Würde zu wahren. Wenn das in ihrem momentanen Zustand überhaupt noch möglich war.
Sie öffnete die Wohnungstür und hörte schon seine Schritte im Treppenhaus. Kurz darauf erschien er schließlich und kam lächelnd auf sie zu. Das Lächeln schwand allerdings schnell.
„Ist Nico der Zweite gar nicht da?“
„Nette Begrüßung.“
„Tut mir leid. Hey, schön dich mal wieder zu sehen“, sagte er und schickte sich an, sie zu umarmen.
„Ist glaube ich keine gute Idee. Ich bin… naja, siehst du ja selbst. Erkältet.“
„Grippespritze“, sagte Clemens nur und schloss sie kurz in seine Arme.
„Gab’s für euch Fußballer wohl umsonst“, vermutete sie bemüht schmunzelnd und bat Clemens herein. Während er Mantel, Schal und Mütze auszog, schloss Nico die Tür und besah sich die große Wasserpfütze, die sich mit einem Mal auf dem Boden gebildet hatte.
„Schneit es immer noch?“, fragte sie verschnupft und suchte in ihrer Hosentasche nach einem noch brauchbaren Taschentuch. Nicht für die Pfütze, sondern für die Nase.
„Ja… und zwar ziemlich heftig. Wusste gar nicht mehr, wo ich bin.“
„Was fährst du auch bei dem Wetter.“
„Ich war unterwegs nach Erfurt.“
„Bist ja nicht weit gekommen.“
„Offensichtlich.“

Nico stand an der Tür gelehnt und sah Clemens fragend an. „Und was willst du jetzt machen?“
„Ich dachte, ich wärm mich erst mal auf. Und dann den Abschleppdienst anrufen. Vielleicht habe ich ja Glück.“
„Hmm. Ja gut. Hast du Durst? Hunger?“
Clemens schüttelte den Kopf. Bestimmt würde er eh nicht lange hier bleiben, dachte er und fragte noch einmal nach ihrem Zwillingsbruder.
„Der liegt wahrscheinlich gerade an irgendeinem Strand und sonnt sich.“
„Bitte?“
„Der ist mit Torben in den Süden geflogen.“
„Achso. Nichts mit Familienfeier?“
„Nein. Ich wollte ja eigentlich gestern zu meinen Eltern fahren, aber die sind auch weggefahren. Wollten mal Weihnachten in den Alpen verbringen.“
„Achso. Sonst hätten wir ja auch zusammen fahren können.“

Nico zuckte nur mit den Schultern und machte sich daran zum Wohnzimmer zu gehen. Sie schwankte leicht, konnte sich aber noch bis zur Couch retten, auf die sie sich mit letzter Kraft warf. Clemens folgte ihr, setzte sich ihr gegenüber auf einen Hocker.
„Und wie verbringst du die Feiertage?“, fragte er jetzt.
„Auf’m Sofa.“
„Ja und sonst?“
„Wie sonst?“
„Na irgendjemand wird doch wohl morgen kommen? Du kannst Weihnachten doch nicht allein in deiner Bude verbringen.“
„Wer sagt das?“
„Ich.“

Nico schüttelte nur den Kopf. „Nee nee. Ich hab Weihnachten Ruhe“, versuchte sie sich ihre Situation schön zu reden.
Clemens dachte nach, während Nico unauffällig unter ihre Decke schlüpfte. Sie fühlte sich schon wieder total k.o. und sehnte sich nach einer Aspirin gegen ihre Kopfschmerzen. Aus halbgeschlossenen Augen musterte sie den Blondschopf und dachte an früher. Sie hatte ihn schon immer gemocht, vielleicht sogar mal für ihn geschwärmt. Aber das war lange her. Zehnte Klasse oder so.

„Ich ruf dann mal an“, verkündete er plötzlich und zückte sein Handy aus der Hosentasche. Der Empfang allerdings war ziemlich schlecht. Clemens lief in der Wohnung auf und ab, aber es wurde nicht besser. Verdammt. „Kann ich mal dein Telefon benutzen?“
„Na klar.“
Die Nachricht, die der Abschleppdienst für Clemens hatte, war jedoch alles andere als erfreulich. „Unsere Fahrzeuge sind alle steckengeblieben. Und die Räumungsfahrzeuge kommen auch nur schwer voran.“ Tja. Das war’s dann wohl. Er hatte noch gehofft, dass er wenigstens noch in seine Wohnung kam. Aber jetzt? Ein Blick aus dem Fenster verriet ihm, dass es noch lange weiter schneien würde. Es brachte also gar nichts, darauf zu warten, bis ein Räumungsfahrzeug kam. Minuten später würden die Straßen genauso wie vorher aussehen. Blieb nur eine Möglichkeit.

„Nico?“
„Clemens?“
„Kann ich...?“
„Ja.“
„Ich hab doch noch gar nicht gefragt“, empörte er sich gespielt, lächelte aber. Sie hatten sich schon immer gut verstanden, auch wenn sie sich seit dem Schulabschluss nur noch selten gesehen hatten. Anders als mit Nicolas, mit dem er die Zeit über regelmäßig telefoniert hatte.
Ihre Wege hatten sie in unterschiedliche Städte geführt. Zufall, dass sie sich hier in Bremen wiedertrafen.

„Ich wäre ja ein Unmensch wenn ich dich vor die Tür setze“, schniefte sie.
„Nein. Ich würde es verstehen, wenn du jetzt deine Ruhe haben willst. Bei mir ist das auch so, wenn ich krank bin.“
Nico nickte. Nicht gerade überzeugend, aber sie nickte. „Eigentlich bin ich aber ganz froh darüber, dass du hier festhängst“, rutschte es ihr dann doch heraus. Clemens grinste. „Wusst’ ich’s doch. Ich ruf nur noch schnell meine Eltern an, damit die sich keine Sorgen machen und geh dann noch zum Auto.“
„Ok. Nimm dann aber meinen Schlüssel mit, dann muss ich nicht noch mal aufstehen um dir die Tür aufzumachen“, sagte sie müde und überließ alles weitere Clemens.

Seine Eltern waren nicht gerade begeistert, dass er nicht zu Weihnachten kommen konnte, waren aber gleichzeitig froh, dass er eine Bleibe gefunden hatte.
Er lief dann noch mal schnell zum Auto um seinen Koffer zu holen. Es schneite immer noch wie verrückt und Clemens war froh, als er wieder in der warmen Wohnung war. So wie es draußen aussah, würde er wohl auch morgen noch nicht hier wegkommen. Während er sich den Schnee von den Klamotten abklopfte, bemerkte er, dass es ihm erstaunlich wenig ausmachte. Hätte schlimmer kommen können, dachte er. Und Nico ist wirklich ein Schatz. Sie tat ihm leid, dass sie Weihnachten ganz allein war, vor allem weil sie sich auch noch mit einer fetten Erkältung herumplagen musste.
Naja, als Gegenleistung dafür, dass er hierbleiben drufte, würde er sie einfach gesund pflegen.

Als Clemens wieder ins Wohnzimmer ging, fand er Nico schlafend auf der Couch vor. Lächelnd ging er in die Hocke und betrachtete sie genauer. Sie sah ziemlich fertig aus, mit ihrer roten Nase und den verzogenen Gesichtszügen.
Langsam stand er wieder auf und sah sich um. Wenn er sie gesund pflegen wollte, dann musste er jetzt mal irgendwo anfangen. Clemens lief weiter in die kleine Küche.

Tee wäre doch schon mal ein guter Anfang.

Kapitel 03